Die richtige Klettersteig-Ausrüstung ist überschaubar, aber sie verzeiht keine Lücken. An Stahlseilen, Eisenbügeln und Leitern bewegst du dich in ausgesetztem Gelände, und im Ernstfall hängt alles an wenigen Bauteilen. Fehlt der Helm oder ist das Klettersteigset veraltet, lässt sich das unterwegs nicht mehr korrigieren.
Dieser Ratgeber zeigt dir, welche sechs Teile du wirklich brauchst, worauf du beim Kauf oder Leihen achtest und wie du deine Ausrüstung vor jeder Tour prüfst. Außerdem erfährst du, warum Kinder und leichte Personen eine zusätzliche Seilsicherung brauchen.
Kurz gesagt: Zur Klettersteig-Ausrüstung gehören ein Klettersteigset nach EN 958, ein Klettergurt und ein Helm als Pflichtteile, ergänzt durch Handschuhe und feste Schuhe mit gutem Profil. Das Set ist für 40 bis 120 Kilogramm Gesamtgewicht ausgelegt. Leichtere Personen und Kinder sicherst du zusätzlich mit einem Seil. Prüfe alles vor jeder Tour.
Das Wichtigste in Kürze
- Set, Gurt und Helm sind Pflicht, Handschuhe und feste Schuhe dringend empfohlen.
- Der Falldämpfer im Set ist lebenswichtig. Eine selbst geknotete Bandschlinge ersetzt ihn nicht.
- Unter 40 Kilogramm reicht ein Klettersteigset allein nicht aus.
- Ein ausgelöster Falldämpfer bedeutet: Das Set wird ausgetauscht.
- Für die ersten Touren ist eine geprüfte Leihausrüstung eine gute Wahl.
Was gehört zur Klettersteig-Ausrüstung? Die 6 Teile im Überblick
Der Deutsche Alpenverein nennt in seinen zehn Empfehlungen für das Klettersteiggehen eine vollständige, normgerechte Ausrüstung als einen der zentralen Sicherheitsfaktoren. Drei Teile sind dabei Pflicht, drei weitere machen dich sicherer und komfortabler.
| Teil | Norm | Darauf achtest du |
|---|---|---|
| Klettersteigset | EN 958 | Falldämpfer, elastische Arme, Gewichtsbereich 40 bis 120 kg |
| Klettergurt | EN 12277 | Passende Größe, verstellbare Beinschlaufen |
| Helm | EN 12492 | Fester Sitz, geringes Gewicht, gute Belüftung |
| Handschuhe | keine Pflichtnorm | Enger Sitz, griffige Handfläche, fester Bündchenverschluss |
| Schuhe | keine Pflichtnorm | Feste, gut profilierte Sohle, je nach Gelände knöchelhoch |
| Rastschlinge mit Karabiner | EN 566 und EN 362 | Zum Ausruhen in steilen Passagen |
Für eine vollständige Neuausstattung kalkuliert der DAV in einer Beispielrechnung mit gut 300 Euro. Viele Sektionen und Bergschulen verleihen die Teile auch, was für den Start sinnvoll ist.
Das Klettersteigset: Herzstück der Klettersteig-Ausrüstung
Das Set verbindet dich über zwei Lastarme mit Karabinern mit dem Stahlseil. An der Basis sitzt der Falldämpfer, meist ein Bandfalldämpfer aus vernähtem Gurtband. Bei einem Sturz reißen die Nähte nacheinander auf und bremsen dich ab. Ohne diesen Dämpfer wirken bei einem Sturz in das Seil Kräfte, die schwere Verletzungen an der Wirbelsäule verursachen können.
Der Alpenverein vergleicht das Set deshalb mit einem Airbag im Auto: Es ist Notfallausrüstung, auf die du dich im Ernstfall verlassen musst, die du aber nie bewusst belasten solltest. Am Klettersteig gilt daher weiterhin, dass du Stürze vermeidest.
Norm und Gewichtsbereich
Achte darauf, dass dein Set der aktuellen Norm EN 958 entspricht. Laut DAV-Ratgeber zur Ausrüstung für den Klettersteig sind solche Sets für ein Gesamtgewicht von 40 bis 120 Kilogramm ausgelegt. Gemeint ist das Gewicht mit Kleidung, Rucksack und Ausrüstung. Wer mit vollem Rucksack über 120 Kilogramm wiegt, nutzt ein ungeprüftes System.
Karabiner und das richtige Umhängen
Die Karabiner sollten eine große Öffnung haben und sich automatisch verriegeln. Ideal sind Modelle, die du mit der Handfläche öffnest, weil du sie so mit einer Hand bedienst. An jeder Verankerung hängst du die Karabiner nacheinander um. Mindestens einer ist dabei immer im Seil eingehängt, nie beide gleichzeitig ausgehängt.
Rastschlinge: Pause in der Wand
In steilen Passagen brauchst du manchmal eine Pause. Dafür nutzt du eine Rastschlinge, die je nach Set fest eingebaut ist oder als kurze Bandschlinge mit Verschlusskarabiner ergänzt wird. Zwei Fehler sind dabei gefährlich, weil sie den Falldämpfer außer Kraft setzen:
- Hänge den zweiten Lastarm nie in den Anseilring des Gurts.
- Lass die Rastschlinge beim Klettern nicht am Seil hängen. Sie dient nur zum Ausruhen.

Gurt und Helm: Worauf kommt es bei der Klettersteig-Ausrüstung an?
Der Klettergurt
Für Erwachsene eignet sich jeder Hüftgurt aus dem Sport- oder Alpinklettern. Spezielle Klettersteiggurte sind leichter und schlichter gebaut, mit wenig Polsterung und wenigen Materialschlaufen. Der Gurt sitzt eng über den Hüftknochen, ohne einzuschneiden. Probiere ihn mit der Kleidung an, die du am Berg trägst.
Kinder und Menschen mit hohem Körperschwerpunkt tragen zusätzlich einen Brustgurt oder einen Kombigurt. Das verhindert, dass sie nach einem Sturz kopfüber im Gurt hängen.
Der Helm
Ein Kletterhelm ist zugleich ein Klettersteighelm, es gibt keinen Unterschied. Der DAV empfiehlt leichte Helme aus geschäumtem Kunststoff, weil Kopfverletzungen oft durch einen Aufprall am Fels oder an Verankerungen entstehen. Dazu kommt Steinschlag, den auf beliebten Steigen häufig andere Begehende auslösen.
Der Helm sitzt fest und verrutscht beim Kopfschütteln nicht. Nach einem harten Schlag oder bei sichtbaren Rissen ersetzt du ihn.
Handschuhe und Schuhe: unterschätzte Teile der Klettersteig-Ausrüstung
Am Drahtseil greifst du auf langen Touren hunderte Male zu. Klettersteighandschuhe schützen vor Blasen und vor gerissenen Litzen am Seil. Sie sollten eng sitzen und einen festen Bündchenverschluss haben, damit sie nicht verrutschen. Viele bevorzugen Modelle mit offenen Fingerkuppen, weil sie mehr Gefühl für Fels und Karabiner lassen.
Bei den Schuhen reicht die Spanne vom festen Zustiegsschuh bis zum leichten Bergschuh. Entscheidend sind eine steife, gut profilierte Sohle für schmale Tritte und genug Halt im Geröll beim Zu- und Abstieg. Wer schwerer ist oder lange Abstiege vor sich hat, profitiert von knöchelhohen Modellen. Turnschuhe oder Trailrunningschuhe mit weicher Sohle sind auf den meisten Steigen keine gute Wahl.
Die passende Kleidung
Kleidung zählt nicht zur Sicherungskette, gehört aber zu einer durchdachten Klettersteig-Ausrüstung. Bewährt hat sich eine robuste, dehnbare Hose, die an scharfkantigem Fels nicht sofort aufreißt. Darüber trägst du ein schnell trocknendes Funktionsshirt und eine leichte Windjacke.
In den Bergen kann die Temperatur im Schatten einer Nordwand oder bei Wetterumschwung schnell um zehn Grad fallen. Eine dünne Mütze passt unter den Helm, wenn du sie vorher beim Anprobieren berücksichtigst. Lange Ärmel schützen zusätzlich vor Schürfwunden und Sonne.

Klettersteig-Ausrüstung für Kinder und Einsteiger: Wann du ein Seil brauchst
Ein Klettersteigset arbeitet nur im vorgesehenen Gewichtsbereich zuverlässig. Bei Personen unter 40 Kilogramm reißt der Falldämpfer bei einem Sturz womöglich nicht wie vorgesehen auf. Der Körper wird dann zu hart abgebremst. Der DAV rät deshalb, alle Personen unter 40 Kilogramm immer zusätzlich mit einem Seil zu sichern.
Die Sicherung übernimmt eine erfahrene Person, die oberhalb steht und das Seil über eine Rücklaufsperre oder ein Sicherungsgerät führt. Dafür reichen meist 15 bis 20 Meter Seil. Auch für unsichere Einsteiger ist eine Seilsicherung an steilen Stellen eine gute Ergänzung zur Klettersteig-Ausrüstung. Für Kinder gibt es Sets mit kleineren Karabinern und kürzeren Armen, die sie leichter umhängen können.
Die Technik für die Seilsicherung solltest du in einem Kurs lernen, bevor du sie am Berg anwendest. Alpenvereinssektionen und Bergschulen bieten dafür Einsteiger- und Familienkurse an. Wie du passende erste Touren auswählst, liest du in unserem Ratgeber Klettersteig für Einsteiger: erste Touren planen.
Klettersteig-Ausrüstung prüfen, pflegen und ersetzen
Textilien altern durch UV-Licht, Feuchtigkeit, Schmutz und falsche Lagerung, auch wenn du sie selten nutzt. Der TÜV SÜD empfiehlt in seinen Hinweisen zur Auswahl von Klettersteigsets, Karabiner, Nähte, Gurtbänder und Falldämpfer vor jeder Tour auf sichtbare Schäden zu kontrollieren. So gehst du vor:
- Karabiner prüfen: Öffnen und schließen sie leicht? Verriegelt der Schnapper zuverlässig?
- Lastarme ansehen: Achte auf Risse, Scheuerstellen und verhärtete Stellen im Gurtband.
- Falldämpfer kontrollieren: Ist die Hülle unbeschädigt und sind keine Nähte aufgerissen? Ein ausgelöster Dämpfer bedeutet immer: Set austauschen.
- Gurt checken: Schnallen, Anseilring und Nähte dürfen keine Schäden zeigen.
- Helm prüfen: Keine Risse, Kinnriemen und Verstellsystem funktionieren.
- Partnercheck am Einstieg: Kontrolliert gegenseitig Gurtverschluss, Verbindung von Set und Gurt sowie den Helm.
Beachte die Angaben des Herstellers zur Lebensdauer. Lagere deine Klettersteig-Ausrüstung trocken, dunkel und fern von Chemikalien. Bei gebrauchten oder älteren Sets prüfst du Normangabe, Herstellungsjahr und mögliche Rückrufe, denn in der Vergangenheit gab es mehrere Rückrufaktionen für Klettersteigsets.
Typische Fehler bei der Klettersteig-Ausrüstung
Viele Unfälle am Klettersteig haben weniger mit fehlender Ausrüstung zu tun als mit falscher Anwendung. Diese Fehler solltest du kennen:
- Altes Set vom Dachboden: Sets ohne aktuelle Normangabe oder mit unbekannter Geschichte gehören nicht an den Steig.
- Selbstbau aus Bandschlingen: Ohne Falldämpfer können schon kurze Stürze lebensgefährlich sein.
- Helm im Rucksack: Steinschlag kommt ohne Vorwarnung, auch im Zustieg unter der Wand.
- Zu lockerer Gurt: Ein Gurt, der über die Hüfte rutscht, kann dich bei einem Sturz nicht sicher halten.
Leihen oder kaufen?
Für die ersten zwei oder drei Touren ist Leihen sinnvoll. Du lernst die Bedienung kennen und findest heraus, welche Karabiner dir liegen. Achte darauf, dass das Leihset aktuell und gepflegt ist. Wer mehrmals pro Saison am Steig unterwegs ist, kauft besser eine eigene Klettersteig-Ausrüstung, deren Geschichte er kennt.
Was gehört neben der Klettersteig-Ausrüstung in den Rucksack?
Am Klettersteig bist du oft mehrere Stunden in exponiertem Gelände unterwegs. Diese Dinge gehören deshalb zusätzlich zur Klettersteig-Ausrüstung in den Rucksack:
- Erste-Hilfe-Set und Rettungsdecke
- Handy mit vollem Akku, Notruf 112
- Regenjacke und warme Schicht, auch im Hochsommer
- Mindestens ein bis zwei Liter Wasser und energiereiche Snacks
- Stirnlampe für den Fall, dass die Tour länger dauert
- Sonnenschutz und Tourenbeschreibung oder Karte
Ein kompakter Tagesrucksack mit 20 bis 30 Litern reicht meist aus. Er sollte eng am Rücken sitzen und keine offenen Seitentaschen haben, aus denen Flaschen herausfallen können. Mehr zur Wahl des Volumens findest du im Beitrag zum passenden Wanderrucksack. Wenn du den Klettersteig mit einer Übernachtung verbindest, hilft dir unser Ratgeber zur Hüttentour in den Alpen bei der Planung.
Sicherheitshinweis
Die beste Klettersteig-Ausrüstung schützt dich nicht vor Fehlern in der Planung. Prüfe vorab Schwierigkeit, Länge, Zu- und Abstieg sowie den Wetterbericht.
Bei Gewittergefahr steigst du nicht ein, denn das Drahtseil leitet Blitze. Halte Abstand zum Vordermann, sodass nur eine Person zwischen zwei Verankerungen am Seil hängt. Für den Einstieg ist ein Kurs bei einer Bergschule oder Alpenvereinssektion sehr empfehlenswert.
Häufige Fragen zur Klettersteig-Ausrüstung
Was braucht man alles für einen Klettersteig?
Pflicht sind ein Klettersteigset nach EN 958, ein Klettergurt und ein Bergsteigerhelm. Dazu kommen Klettersteighandschuhe und feste Zustiegs- oder Bergschuhe. Im Rucksack gehören Erste-Hilfe-Set, Handy mit Notruf 112, Regen- und Wärmeschutz sowie genug Wasser dazu. Für Kinder, sehr leichte Personen und unsichere Einsteiger ergänzt ein Seil die Ausrüstung.
Wie lange hält ein Klettersteigset?
Eine feste Zahl gibt es nicht, maßgeblich sind die Angaben des Herstellers zur Lebensdauer, die du in der Gebrauchsanleitung findest. Textile Teile altern durch UV-Licht, Feuchtigkeit und Schmutz auch dann, wenn du sie kaum benutzt. Ein ausgelöster Falldämpfer bedeutet immer das Ende des Sets, und ob es für dein Modell einen Rückruf gibt, prüfst du regelmäßig.
Ab welchem Gewicht darf man ein Klettersteigset benutzen?
Klettersteigsets nach der aktuellen Norm EN 958 sind für ein Gesamtgewicht von 40 bis 120 Kilogramm ausgelegt. Unter 40 Kilogramm kann der Falldämpfer nicht richtig arbeiten. Der Deutsche Alpenverein rät deshalb, leichtere Personen und Kinder immer zusätzlich mit einem Seil zu sichern. Über 120 Kilogramm inklusive Rucksack und Kleidung ist ein Set nicht geprüft.
Wo kann man Klettersteig-Ausrüstung leihen?
Viele Alpenvereinssektionen, Bergschulen und Sportgeschäfte in den Bergen verleihen Sets, Gurte und Helme. Für die ersten Touren ist das eine gute Lösung, weil du so herausfindest, ob dir der Sport gefällt. Achte darauf, dass das Leihset der aktuellen Norm entspricht, unbeschädigt ist und nicht von einem Rückruf betroffen ist. Lass dir die Bedienung zeigen.
Warum braucht man am Klettersteig Handschuhe?
Handschuhe schützen deine Hände vor Reibung und vor gerissenen Litzen am Drahtseil. Auf langen Steigen hältst du dich hunderte Male am Seil fest, und ohne Schutz entstehen schnell Blasen. Gute Modelle sitzen eng, haben einen festen Bündchenverschluss und eine griffige Handfläche. Ob du offene oder geschlossene Finger wählst, ist Geschmackssache.
Titelbild: Maja Kochanowska / Unsplash
