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Klettersteig: Einsteiger-Guide mit 5 Schritten zur ersten Tour

Schwierigkeitsgrade, Ausrüstung, Sicherungstechnik und Tourenplanung: So gelingt dir dein erster Klettersteig sicher.

Bergsteiger am Drahtseil eines Klettersteigs am Dachstein

Eisenbügel im senkrechten Fels, ein Drahtseil an der Hand und unter dir die Tiefe: Ein Klettersteig führt dich in Gelände, das sonst nur Kletterern vorbehalten ist. Die durchgehende Sicherung macht steile Wände und luftige Grate auch ohne Seilpartner und Kletterausbildung zugänglich. Kein Wunder, dass gesicherte Steige in den Alpen jedes Jahr mehr Menschen anziehen.

Gleichzeitig unterschätzen viele Einsteiger die Anforderungen. Der Deutsche Alpenverein weist darauf hin, dass an gesicherten Steigen vergleichsweise häufig Unfälle passieren. Mit der richtigen Tourenwahl, normgerechter Ausrüstung und sauberer Sicherungstechnik wird deine erste Tour aber zu einem sicheren und großartigen Erlebnis.

Kurz gesagt: Für deinen ersten Klettersteig wählst du eine kurze Tour im Grad A bis B mit einfachem Abstieg. Du brauchst Klettergurt, Klettersteigset nach EN 958, Helm und Handschuhe. Hänge an jeder Verankerung die Karabiner nacheinander um, steige mit den Beinen und verzichte bei Gewittergefahr auf die Tour.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Schwierigkeitsgrad richtet sich nach der schwersten Stelle, Länge und Zustieg zählen zusätzlich.
  • Ein Klettersteigset muss zu deinem Körpergewicht passen und frei von Rückrufen sein.
  • Zwischen zwei Verankerungen befindet sich immer nur eine Person.
  • Bei Gewitter ist das Stahlseil lebensgefährlich, deshalb steigst du bei Gewittergefahr gar nicht erst ein.
  • Ein Einsteigerkurs bei einer Alpenvereinssektion oder Bergschule ist der sicherste Start.

Was ist ein Klettersteig und für wen eignet er sich?

Ein Klettersteig ist eine Route durch Fels, die mit einem durchgehenden Stahlseil gesichert ist. Eisenbügel, Stifte, Leitern und manchmal Hängebrücken erleichtern das Vorankommen. Du hängst dich mit einem speziellen Klettersteigset in das Seil ein und bist so bei einem Sturz gesichert. Im Italienischen heißen diese Routen Via Ferrata, also Eisenweg.

Gesicherte Steige gibt es in allen Schwierigkeiten, vom kurzen Steig mit wenigen Seilpassagen bis zur senkrechten Wand mit überhängenden Stellen. Für Einsteiger zählt deshalb vor allem die richtige Tourenwahl. Gute Voraussetzungen bringst du mit, wenn du trittsicher bist, keine starke Höhenangst hast und mehrstündige Bergwanderungen gut schaffst.

Auch Kinder können Klettersteige gehen, brauchen aber passende Ausrüstung und viel Begleitung. Große Trittabstände und ein weiter Abstand zum Stahlseil sind für kleinere Menschen eine zusätzliche Hürde.

Frau steigt an einem Klettersteig in der Sellagruppe in den Dolomiten
Gesicherter Steig in der Sellagruppe in den Dolomiten. Foto: Walther Luecker / Unsplash

Welcher Schwierigkeitsgrad passt zum ersten Klettersteig?

Im deutschsprachigen Raum ist die Schall-Skala von A bis F verbreitet, in der Schweiz die Hüsler-Skala von K1 bis K6. Die Bewertung bezieht sich auf die schwierigste Stelle. Die folgende Übersicht basiert auf den Beschreibungen des Alpenvereins zu den Schwierigkeitsgraden am Klettersteig:

Schall Hüsler (etwa) Charakter Für Einsteiger?
A (leicht) K1 Einfache gesicherte Wege, kurze ausgesetzte, aber gut versicherte Stellen Ja, ideal
B (mäßig schwierig) K2 bis K3 Steileres, ausgesetztes Felsgelände, senkrechte längere Leitern und Tritte Ja, nach ersten A-Touren
C (schwierig) K3 bis K4 Steiles bis sehr steiles Gelände, ausgesetzte Passagen mit kleinen Tritten Nur mit Erfahrung
D (sehr schwierig) K4 bis K5 Senkrecht bis überhängend, große Armkraft und gute Steigtechnik nötig Nein
E und F (extrem) K5 bis K6 Meist überhängend, für sehr erfahrene Begeher Nein

Die Zuordnung zwischen den Skalen ist nur ein Richtwert. Achte zusätzlich auf Länge, Höhenmeter und die Häufigkeit schwieriger Stellen. Ein kurzer C-Abschnitt ist etwas anderes als ein durchgehend steiler C-Steig über 400 Höhenmeter. Der Alpenverein rät, die erste Tour bewusst defensiv zu wählen.

Ausrüstung: Was brauchst du für den Klettersteig?

Ohne vollständige Ausrüstung betrittst du keinen gesicherten Steig. Die Grundausstattung ist überschaubar und lässt sich für die ersten Touren auch leihen:

  • Klettersteigset nach EN 958 mit Falldämpfer, zwei elastischen Lastarmen und zwei Karabinern, oft mit Rastschlinge
  • Klettergurt, als Hüftgurt für Erwachsene, für Kinder meist ein Komplettgurt
  • Steinschlaghelm, der auch beim Zustieg schon auf den Kopf gehört
  • Klettersteighandschuhe zum Schutz vor dem Stahlseil
  • Bergschuhe mit fester, griffiger Sohle
  • Erste-Hilfe-Set, Handy und Regenjacke im kleinen Rucksack

Das Klettersteigset: Norm und Gewichtsbereich

Das Set ist dein wichtigstes Sicherungsgerät. Seit 2017 gilt die überarbeitete Norm EN 958, die Sets für ein Körpergewicht von 40 bis 120 Kilogramm prüft. Laut dem Alpenverein zur neuen Norm für Klettersteigsets sollten vor allem sehr leichte und sehr schwere Personen ein Set nach dieser Norm verwenden.

Bei älteren Sets prüfst du drei Punkte: Die vom Hersteller angegebene Lebensdauer darf nicht überschritten sein, das Set muss in gutem Zustand sein, und es darf nicht von einem Rückruf betroffen sein. Welche Teile du im Detail brauchst und worauf du beim Kauf achtest, erklärt unser Ratgeber zu Gurt, Set und Helm für gesicherte Steige.

Leihen oder kaufen?

Für die ersten zwei oder drei Touren lohnt sich das Leihen. Viele Bergsportgeschäfte, Bergschulen und Alpenvereinssektionen verleihen komplette Sets aus Gurt, Klettersteigset und Helm. So findest du heraus, ob dir der Sport gefällt, bevor du investierst.

Kaufst du später eigene Ausrüstung, probierst du den Gurt vor Ort an und hängst dich im Laden kurz hinein. Er sollte eng anliegen, ohne zu drücken. Gebrauchte Sets und Gurte mit unbekannter Vorgeschichte kaufst du besser nicht, denn Alter, Lagerung und mögliche Stürze lassen sich nicht nachvollziehen.

Richtig einhängen: So sicherst du dich am Klettersteig

Die wichtigste Regel lautet: Mindestens ein Karabiner hängt immer im Seil. Am sichersten bist du, wenn beide Karabiner eingehängt sind und du sie an jeder Verankerung nacheinander umhängst.

  1. Partnercheck am Einstieg: Gurtverschluss, Verbindung von Set und Gurt sowie Helm gegenseitig kontrollieren.
  2. Beide Karabiner einhängen: Hänge beide Karabiner in das Stahlseil und lass sie mit der Hand mitlaufen.
  3. Stabile Position suchen: Häng an der Verankerung erst um, wenn du sicher stehst, am besten mit gestrecktem Arm.
  4. Ersten Karabiner umhängen: Öffne ihn, hänge ihn hinter der Verankerung ein und kontrolliere den Verschluss.
  5. Zweiten Karabiner umhängen: Erst jetzt folgt der zweite Karabiner. Niemals beide gleichzeitig aushängen.
  6. Abstand halten: Zwischen zwei Verankerungen befindet sich immer nur eine Person.

Diese Abläufe entsprechen den 10 Empfehlungen von DAV und Club Arc Alpin zum Klettersteiggehen. Dazu gehören auch eine sorgfältige Planung, die Kontrolle von Seil und Verankerungen auf Schäden und klare Absprachen beim Überholen.

Bergsteiger am Stahlseil eines Klettersteigs blickt im grauen Fels nach unten
Mindestens ein Karabiner hängt immer im Seil. Foto: Frantisek Duris / Unsplash

Kraftsparend steigen: Technik für deinen ersten Klettersteig

Die meisten Einsteiger halten sich zu fest am Seil fest und ziehen sich mit den Armen nach oben. Nach einer halben Stunde brennen dann die Unterarme. Effizienter ist es, so viel Gewicht wie möglich auf die Beine zu bringen.

  • Am langen Arm steigen: Halte die Arme möglichst gestreckt und beuge zuerst die Beine. Der Arm beugt sich erst, wenn der Schub aus den Beinen kommt.
  • Kleine Schritte: Nutze jeden Tritt im Fels, nicht nur die Eisenbügel.
  • Griffe variieren: Wechsle zwischen Bügeln, Felsgriffen und Seil, damit sich die Hände erholen.
  • Rastpositionen nutzen: Pausiere auf Bändern und Absätzen und plane den nächsten Abschnitt.

Viele moderne Sets haben eine Rastschlinge, mit der du dich kurz in eine Verankerung setzen kannst. Der Alpenverein beschreibt in seinem Beitrag Sicher und ökonomisch durch den Klettersteig, wie du sie einsetzt, und betont, dass das Vertrauen ins Material zuerst an niedrigen Übungssteigen geübt werden sollte.

Zusätzliche Kraft in Oberkörper und Griff macht steilere Passagen entspannter. Gute Übungen dafür sind Klimmzüge, und beim Bouldern in der Halle trainierst du Fußtechnik und Körperspannung in Absprunghöhe.

Typische Fehler von Einsteigern

  • Zu hohes Tempo am Anfang: Wer im unteren Teil hetzt, hat oben keine Kraft mehr für die Schlüsselstelle.
  • Karabiner zu weit unten: Hängen die Karabiner tief am Seil, verlängert sich die Sturzstrecke. Schieb sie mit der Hand nach oben mit.
  • Umhängen in wackeliger Position: Such dir vor jeder Verankerung einen sicheren Stand, bevor du die Karabiner öffnest.
  • Vergessene Rastschlinge: Wer sich mit einer Bandschlinge in eine Verankerung hängt, muss sie vor dem Weitersteigen unbedingt wieder lösen.

Die erste Tour am Klettersteig planen

Eine gute Planung beginnt Tage vor der Tour. Lies die Tourenbeschreibung und das Topo vollständig und rechne Zustieg, Steig und Abstieg zusammen. Bei vielen Touren dauern Zu- und Abstieg länger als der eigentliche Steig.

  1. Tour auswählen: Grad A oder A/B, kurzer Zustieg, einfacher Abstieg, möglichst mit Notausstieg.
  2. Verhältnisse prüfen: Ist der Steig geöffnet, schneefrei und nach Unwettern intakt? Gesperrte Steige gehst du nicht.
  3. Wetter checken: Bergwetterbericht am Vortag und am Morgen. Bei Gewitterprognose verschiebst du die Tour.
  4. Zeitplan erstellen: Früh starten, damit du den Steig am Vormittag verlässt und Andrang am Einstieg vermeidest.
  5. Begleitung organisieren: Die ersten Touren gehst du nicht allein, idealerweise mit erfahrenen Begleitern oder in einem Kurs.

Klettersteige lassen sich gut mit einer Mehrtagestour verbinden, denn viele Hütten liegen in der Nähe gesicherter Steige. Wie du eine solche Tour aufbaust, liest du in unserem Guide zur Hüttentour in den Alpen.

Mit Höhenangst und Nervosität umgehen

Ein mulmiges Gefühl an der ersten ausgesetzten Stelle ist völlig normal. Hilfreich ist es, den Blick auf die nächsten Tritte und Griffe zu richten statt in die Tiefe. Ruhiges, bewusstes Ausatmen senkt die Anspannung, bevor du weitersteigst.

Übungssteige und kurze Touren mit wenig Höhe geben dir die Chance, dich langsam an die Ausgesetztheit zu gewöhnen. Sprich mit deinen Begleitern offen darüber, wie es dir geht. Wer sich ehrlich einschätzt und eine Tour notfalls über einen Notausstieg verlässt, handelt verantwortungsvoll.

Gruppe auf einem Klettersteig an einer Felsklippe über dem Meer bei Sonnenschein
Klettersteige gibt es nicht nur in den Alpen, sondern auch an Küstenfelsen. Foto: Frantisek Duris / Unsplash

Sicherheit am Klettersteig: Gewitter, Steinschlag und Umkehren

Ein Gewitter ist im Drahtseilgelände besonders gefährlich, weil das Stahlseil Blitzströme weiterleitet. Der Alpenverein rät in seinem Beitrag zu Unwettern im Gebirge, seilversicherte Steige bei aufziehendem Gewitter schnellstmöglich zu verlassen. Steig deshalb bei Gewittergefahr gar nicht erst ein. Regen und Kälte machen Fels und Bügel zudem rutschig und erhöhen das Sturzrisiko.

  • Steinschlag: Steig vorsichtig, tritt keine Steine los und trag den Helm vom Einstieg bis zum Ende des Abstiegs.
  • Überforderung: Wenn Arme und Beine zittern, nutze eine Rastposition oder die Rastschlinge, bevor du weitersteigst.
  • Umkehren: Plane Notausstiege ein. Umdrehen ist jederzeit erlaubt und oft die klügste Entscheidung.
  • Notfall: Europaweit erreichst du über die 112 die Rettungskräfte. Ein geladenes Handy gehört immer in den Rucksack.

Sicherheitshinweis: Klettersteiggehen ist Bergsport mit Absturz- und Verletzungsgefahr. Die alpinen Vereine empfehlen vor den ersten Touren eine qualifizierte Ausbildung. Ein Einsteigerkurs bei einer Alpenvereinssektion oder einer Bergschule vermittelt dir Sicherungstechnik, Partnercheck und Tourenplanung unter Anleitung. Bei Beschwerden nach einem Sturz oder anhaltenden Gelenkschmerzen ist ärztlicher Rat sinnvoll.

Häufige Fragen zum Klettersteig

Welcher Klettersteig eignet sich für Einsteiger?

Für Einsteiger eignet sich eine kurze Route im Grad A oder A/B nach Schall-Skala, also K1 bis K2 auf der Hüsler-Skala. Wichtig sind außerdem ein kurzer Zustieg, ein einfacher Abstieg auf einem Wanderweg und möglichst ein Notausstieg. Wähle die Tour bewusst defensiv, damit du sie mit Reserve schaffst und dich auf die Sicherungstechnik konzentrieren kannst.

Was brauche ich für einen Klettersteig?

Für jede Tour brauchst du einen Klettergurt, ein Klettersteigset nach der Norm EN 958 mit Falldämpfer und zwei Karabinern sowie einen Steinschlaghelm. Dazu kommen Handschuhe, feste Bergschuhe mit griffiger Sohle, Erste-Hilfe-Set und Handy. Ausrüstung kannst du für die ersten Touren in vielen Bergsportgeschäften oder bei alpinen Vereinen leihen.

Kann man einen Klettersteig ohne Erfahrung gehen?

Ohne jede Bergerfahrung solltest du keine gesicherte Route allein angehen. Die Alpenvereine empfehlen eine qualifizierte Ausbildung, etwa einen Einsteigerkurs bei einer Sektion oder Bergschule. Dort lernst du Einhängen, Partnercheck und kraftsparendes Steigen unter Anleitung. Alternativ gehst du die erste Tour mit erfahrenen Begleitern, die die Technik sicher beherrschen.

Wie gefährlich ist ein Klettersteig?

Ein Klettersteig ist bei guter Vorbereitung ein überschaubares Risiko, aber kein harmloser Wanderweg. Gefahren entstehen vor allem durch Überforderung, Erschöpfung, Gewitter, Steinschlag und Fehler beim Umhängen der Karabiner. Wer eine passende Tour wählt, normgerechte Ausrüstung nutzt, das Wetter prüft und bei Zweifeln umkehrt, senkt das Risiko deutlich.

Wie lange dauert ein Klettersteig für Anfänger?

Eine einfache Route für Anfänger dauert im Steig selbst meist ein bis drei Stunden. Dazu kommen Zustieg und Abstieg, die oft genauso lange dauern wie der Steig. Plane als Einsteiger großzügig, denn das Umhängen kostet anfangs Zeit, und Andrang oder nasser Fels verlängern die Gehzeit deutlich. Starte deshalb früh am Morgen.

Titelbild: Maja Kochanowska / Unsplash

JB

Ressortleitung Outdoor

Jonas Brückner

Jonas Brückner betreut das Ressort Outdoor. Ob Hüttentour, Klettersteig oder Trail: Er ist am liebsten in den Bergen unterwegs und schreibt darüber, wie man Touren sicher plant und mit realistischen Zielen startet.

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