Das Lauf-ABC ist das Techniktraining der Läuferinnen und Läufer. Viele trainieren Ausdauer und Tempo, aber kaum die Bewegung selbst. Genau hier setzen die Koordinationsübungen aus der Leichtathletik an: Sie zerlegen den Laufschritt in einzelne Bausteine und schulen jeden davon gezielt.
Regelmäßig ausgeführt, helfen dir die Übungen, kraftvoller vom Boden abzudrücken, den Fuß aktiver aufzusetzen und insgesamt runder zu laufen. In diesem Guide findest du acht bewährte Übungen mit genauer Anleitung, einen Plan für den Einstieg und die häufigsten Fehler, die du vermeiden solltest.
Kurz gesagt: Das Lauf-ABC ist eine Sammlung von Koordinationsübungen wie Fußgelenksarbeit, Skippings, Kniehebelauf, Anfersen und Hopserlauf. Du führst sie nach dem Einlaufen auf 20 bis 30 Metern aus, ein- bis zweimal pro Woche für zehn bis fünfzehn Minuten. Ziel ist ein ökonomischer, stabiler Laufstil mit aktivem Fußaufsatz.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die Übungen trainieren die Teilphasen des Laufschritts einzeln und verbessern so die Koordination.
- Zehn bis fünfzehn Minuten, ein- bis zweimal pro Woche, reichen für Freizeitläufer.
- Der beste Zeitpunkt ist nach dem Einlaufen und vor einer Tempoeinheit.
- Qualität geht vor Tempo: Wird die Bewegung unsauber, ist der Durchgang beendet.
Was ist das Lauf-ABC?
Die Übungsreihe stammt aus dem Training von Sprintern und Mittelstreckenläufern. Die Idee: Der Laufschritt besteht aus mehreren Phasen, etwa Fußaufsatz, Stützphase, Abdruck und Schwungphase. Jede Übung betont eine dieser Phasen und macht sie bewusst trainierbar.
Das Methodik-Skript der Sportwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal beschreibt die Übungen genau so: als Werkzeug, um die Teilphasen des Laufschritts einzeln zu üben. Die Fußgelenksarbeit trainiert den aktiven Fußaufsatz, Skippings die schnelle Frequenz, das Anfersen die hintere Schwungphase und der Hopserlauf den kraftvollen Abdruck.
Wichtig: Es gibt nicht den einen richtigen Laufstil, den die Übungen erzwingen sollen. Die Übungen geben dir ein besseres Körpergefühl, aus dem sich dein individueller Stil entwickelt. Ob du eher über die Ferse oder den Mittelfuß aufsetzt, beleuchten wir ausführlich im Beitrag zur Lauftechnik zwischen Vorfuß und Ferse.
Warum sich das Lauf-ABC auch für Freizeitläufer lohnt
Beim Laufen arbeiten Füße, Sprunggelenke, Knie, Hüfte, Rumpf und Arme eng zusammen. Schon kleine Unsauberkeiten in dieser Kette kosten auf zehn Kilometern Tausende Schritte lang Energie. Hier setzen die Übungen an.
- Koordination: Nerven und Muskeln arbeiten präziser zusammen, die Bewegung wird flüssiger.
- Fußkraft: Die kleinen Muskeln in Fuß und Unterschenkel werden gezielt gefordert.
- Schrittfrequenz: Schnelle Übungen wie Skippings gewöhnen dich an kurze Bodenkontakte.
- Haltung: Du lernst, den Oberkörper auch bei schnellen Beinbewegungen stabil zu halten.
- Abwechslung: Die Übungen bringen neue Reize in einen sonst oft gleichförmigen Trainingsalltag.
Was die Studienlage zeigt
Wie stark Sprungübungen die Laufökonomie verbessern, hat eine Meta-Analyse in der Fachzeitschrift Kinesiology untersucht. Das Ergebnis ist differenziert: Reines Sprungtraining hatte bei Ausdauerläufern insgesamt nur einen geringen Effekt. In Kombination mit Krafttraining fiel der Effekt dagegen groß aus.
Für dich heißt das: Das Lauf-ABC ist ein wertvoller Technikbaustein, aber kein Ersatz für Kräftigung. Am meisten profitierst du, wenn du die Übungen mit ein bis zwei Krafteinheiten pro Woche kombinierst, etwa mit unserem Ganzkörpertraining für drei Einheiten pro Woche.

Lauf-ABC: 5 Grundübungen mit Anleitung
Führe jede Übung auf 20 bis 30 Metern aus und trabe oder gehe locker zurück. Zwei Durchgänge pro Übung reichen für den Anfang.
Für alle Übungen gelten dieselben Grundregeln. Bleib aufrecht, halte den Blick nach vorn und lass die Schultern locker. Lande möglichst leise und aktiv auf dem Vorfuß. Sobald die Bewegung unsauber wird oder du merkst, dass du nur noch kämpfst, beendest du den Durchgang. Eine kurze Pause von 30 bis 60 Sekunden zwischen den Übungen sorgt dafür, dass du jede Wiederholung konzentriert ausführen kannst.
1. Fußgelenksarbeit
Laufe mit sehr kleinen Schritten und rolle bewusst über den Vorfuß ab. Die Knie bleiben fast gestreckt, die Fersen berühren den Boden kaum. Der Fußballen drückt bei jedem Schritt aktiv gegen den Boden. Die Übung kräftigt Füße und Waden und schult den Aufsatz unter dem Körper.
2. Skippings
Mache schnelle, kurze Schritte mit leichtem Kniehub. Der Fuß landet auf dem Ballen direkt unter dem Körper, der Oberkörper bleibt aufrecht. Konzentriere dich auf eine hohe Frequenz, nicht auf den Raumgewinn. Die Arme arbeiten im gleichen schnellen Rhythmus mit.
3. Kniehebelauf
Hebe die Knie zügig bis etwa auf Hüfthöhe, sodass der Oberschenkel parallel zum Boden steht. Die Arme schwingen aktiv gegengleich mit. Achte darauf, dass du dich nicht nach hinten lehnst. Der Kniehebelauf trainiert die Hüftbeuger und die vordere Schwungphase.
4. Anfersen
Führe die Fersen zügig Richtung Gesäß, die Knie zeigen dabei nach unten. Bleib auf dem Vorfuß und halte das Becken aufrecht. Die Übung schult die hintere Schwungphase, in der das Bein nach dem Abdruck schnell wieder nach vorn geholt wird.
5. Überkreuzlaufen
Bewege dich seitwärts und kreuze das hintere Bein abwechselnd vor und hinter dem vorderen Bein. Der Oberkörper bleibt ruhig und zeigt nach vorn, die Bewegung kommt aus der Hüfte. Die Übung verbessert die Beweglichkeit der Hüfte und die seitliche Stabilität. Laufe beide Richtungen.
Sprünge und Steigerungen: 3 Übungen für Fortgeschrittene
Die folgenden Übungen belasten Waden und Achillessehnen stärker. Nimm sie erst dazu, wenn du die Grundübungen sauber beherrschst und mindestens einige Monate regelmäßig läufst.
Der Untergrund spielt hier eine besondere Rolle. Ideal sind eine Tartanbahn oder eine ebene Wiese mit kurzem Gras. Asphalt ist zu hart für viele Sprünge, nasses Laub und Kopfsteinpflaster sind zu rutschig. Trage deine normalen Laufschuhe, denn sehr weiche oder abgelaufene Modelle geben bei den Absprüngen zu wenig Halt.
6. Hopserlauf
Springe kraftvoll von einem Bein ab, während das andere Knie nach oben schwingt. Der Arm auf der Seite des Sprungbeins schwingt dabei nach vorn. Ziel ist zunächst Höhe, nicht Weite. Später kannst du Varianten mit mehr Raumgewinn oder höherer Frequenz einbauen.
7. Sprunglauf
Laufe mit betont langen, federnden Sprüngen von einem Bein auf das andere. Jeder Abdruck erfolgt über die ganze Beinstreckung, die Flugphase ist deutlich länger als beim normalen Laufen. Beginne mit 15 bis 20 Metern, denn die Übung ist intensiv.
8. Steigerungslauf
Laufe zum Abschluss 60 bis 80 Meter. Starte locker und erhöhe das Tempo gleichmäßig, bis du kurz vor dem Sprint bist. Die letzten Meter läufst du entspannt aus. Steigerungsläufe übertragen die Elemente aus dem Lauf-ABC in die normale Laufbewegung.
So baust du das Lauf-ABC in dein Training ein
Das Lauf-ABC passt am besten nach dem Einlaufen, wenn die Muskulatur warm, aber noch nicht ermüdet ist. Ein typischer Ablauf sieht so aus:
- Einlaufen: 10 bis 15 Minuten im lockeren Dauerlauftempo.
- Lauf-ABC: 4 bis 8 Übungen mit je 2 Durchgängen, insgesamt 10 bis 15 Minuten.
- Steigerungsläufe: 3 bis 4 Wiederholungen über 60 bis 80 Meter.
- Hauptteil: zum Beispiel ein lockerer Dauerlauf oder eine Tempoeinheit.
Besonders sinnvoll sind die Übungen vor schnellen Einheiten, weil es Nerven und Muskeln auf hohe Frequenzen vorbereitet. Wie du solche Einheiten aufbaust, zeigt unser Artikel zum Intervalltraining beim Laufen.
| Niveau | Übungen | Umfang pro Einheit | Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| Einstieg | Fußgelenksarbeit, Skippings, Anfersen | je 2 Durchgänge | 1 Mal pro Woche |
| Fortgeschritten | alle 5 Grundübungen plus Hopserlauf | je 2 Durchgänge | 2 Mal pro Woche |
| Ambitioniert | alle 8 Übungen | je 2 bis 3 Durchgänge | 2 bis 3 Mal pro Woche |
Zwei kurze Termine pro Woche bringen auf Dauer mehr als eine lange Einheit im Monat. Koordination entsteht durch häufige Wiederholung, nicht durch Erschöpfung.
Beispielwoche für Freizeitläufer
So kann eine typische Woche mit drei Laufeinheiten aussehen, wenn du das Lauf-ABC zweimal einbaust:
- Dienstag: 15 Minuten einlaufen, 10 Minuten Übungen, 4 Steigerungsläufe, danach 20 Minuten locker.
- Donnerstag: 40 bis 50 Minuten lockerer Dauerlauf ohne Zusatzprogramm.
- Samstag: 15 Minuten einlaufen, 10 Minuten Übungen, anschließend Intervalle oder ein Tempodauerlauf.
- Zusätzlich: ein bis zwei kurze Krafteinheiten an laufreien Tagen.
Plane die Übungen nicht direkt nach einem langen Lauf oder am Tag nach einem harten Wettkampf. Müde Beine verwischen die Bewegung, und genau dann schleichen sich Fehler ein.

Typische Fehler beim Lauf-ABC
Die Übungen wirken einfach, doch gerade deshalb schleichen sich schnell Fehler ein. Diese sechs sind besonders häufig:
- Zu schnell beginnen: Wer auf Tempo statt auf Bewegungsqualität achtet, trainiert vor allem Fehler.
- Rücklage: Beim Kniehebelauf lehnen sich viele nach hinten. Der Oberkörper bleibt aufrecht.
- Laute Landungen: Ein lautes Aufklatschen zeigt, dass der Fuß passiv statt aktiv landet.
- Kalt starten: Ohne Einlaufen steigt das Risiko für Zerrungen.
- Zu viele Durchgänge: Brennen die Waden, leidet die Ausführung. Lieber früher aufhören.
- Verkrampfte Arme: Hochgezogene Schultern und geballte Fäuste kosten Energie.
Ausführung kontrollieren
Am Anfang hilft es, sich filmen zu lassen oder die Übungen gemeinsam mit anderen auszuführen. Fehler, die du selbst nicht spürst, sind auf Video sofort zu erkennen. Viele Lauftreffs und Leichtathletikvereine bieten Koordinationsübungen zudem als festen Teil des Trainings an.
Gerade die Sprungübungen belasten Waden und Achillessehnen. Steigere den Umfang deshalb behutsam. Bei anhaltenden Schmerzen in Sehnen oder Gelenken pausierst du und lässt die Beschwerden ärztlich abklären.
Lauf-ABC für Einsteiger: der sanfte Start
Wenn du gerade erst mit dem Laufen beginnst, baue zunächst eine Grundlage auf. Unser Acht-Wochen-Plan Laufen für Anfänger führt dich zu 30 Minuten am Stück. Danach kannst du mit zwei einfachen Übungen einsteigen, zum Beispiel Fußgelenksarbeit und Skippings.
Wähle für den Start eine ebene Wiese oder einen festen Parkweg. Führe jede Übung nur auf 15 bis 20 Metern aus und gehe dazwischen ruhig zurück. Nach vier Wochen nimmst du Anfersen und Kniehebelauf dazu. So wächst dein Lauf-ABC Schritt für Schritt mit deiner Fitness, ohne Waden und Sehnen zu überfordern.
Häufige Fragen zum Lauf-ABC
Was bringt das Lauf-ABC?
Die Übungen verbessern die Koordination des Laufschritts. Du lernst, den Fuß aktiver unter dem Körper aufzusetzen, die Schrittfrequenz zu steigern und den Oberkörper stabil zu halten. Gleichzeitig kräftigst du Füße, Waden und Sprunggelenke. Viele Läuferinnen und Läufer berichten zudem von einem besseren Körpergefühl. Sie ersetzen aber kein Krafttraining, sondern ergänzen es sinnvoll.
Wie oft sollte man das Lauf-ABC machen?
Für Freizeitläufer sind ein bis zwei Einheiten pro Woche mit jeweils zehn bis fünfzehn Minuten ideal. Regelmäßigkeit wirkt dabei stärker als Umfang, denn Koordination entsteht durch häufige Wiederholung. Zwei kurze Blöcke pro Woche über mehrere Monate bringen deutlich mehr als eine lange Einheit im Monat. Ambitionierte Läufer bauen die Übungen auch dreimal pro Woche ein.
Wann sollte man das Lauf-ABC im Training machen?
Am besten nach zehn bis fünfzehn Minuten lockerem Einlaufen, wenn die Muskulatur warm, aber noch nicht ermüdet ist. Ein idealer Platz ist direkt vor einer Tempoeinheit, denn die Übungen bereiten Nerven und Muskeln auf schnelle Bewegungen vor. Alternativ passen die Übungen nach einem kurzen, lockeren Dauerlauf. Nach langen oder harten Einheiten ist die Koordination dagegen meist schon zu müde.
Kann man das Lauf-ABC auch ohne Laufbahn machen?
Ja, du brauchst nur einen ebenen, rutschfesten Abschnitt von 20 bis 30 Metern. Ein fester Parkweg, eine Wiese mit kurzem Gras oder ein ruhiger Platz eignen sich gut. Meide Kopfsteinpflaster, nasses Laub und unebene Waldwege, denn bei den Sprungübungen steigt dort das Risiko umzuknicken. Einige Übungen wie Skippings funktionieren zur Not sogar auf der Stelle.
Wie lange dauert es, bis das Lauf-ABC wirkt?
Erste Verbesserungen in der Ausführung bemerken viele schon nach drei bis vier Wochen, weil sich die Bewegungen einschleifen. Bis sich dein normaler Laufstil spürbar verändert, vergehen meist zwei bis drei Monate regelmäßiger Übung. Hilfreich ist ein Vergleich per Video zu Beginn und nach acht bis zwölf Wochen. So erkennst du Fortschritte, die du selbst kaum spürst.
Titelbild: Hannah Coleman / Unsplash
