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Tempodauerlauf: Tempo, Dauer und 8-Wochen-Plan für die Schwelle

Zügig, aber kontrolliert: So findest du beim Tempodauerlauf dein Schwellentempo und steigerst die Einheit in acht Wochen auf 30 Minuten.

Tempodauerlauf auf leerer Landstraße: Läufer allein unterwegs vor einem mächtigen Bergmassiv

Der Tempodauerlauf ist die Einheit, die dich auf Strecken vom Zehner bis zum Marathon am zuverlässigsten schneller macht. Du läufst dabei 20 bis 40 Minuten zügig, gleichmäßig und kontrolliert, knapp unterhalb des Punktes, an dem die Beine schwer werden. Viele Läuferinnen und Läufer laufen ihn trotzdem falsch: zu schnell, zu lang oder zu oft.

In diesem Guide erfährst du, was an der sogenannten Schwelle im Körper passiert, wie du dein persönliches Tempo bestimmst und wie du die Einheit über acht Wochen sinnvoll steigerst. Dazu bekommst du vier Varianten für Abwechslung und die Fehler, die den Trainingseffekt verpuffen lassen.

Kurz gesagt: Ein Tempodauerlauf ist ein zügiger, gleichmäßiger Lauf über 20 bis 40 Minuten im Bereich deiner Laktatschwelle. Das Tempo liegt etwa zwischen deinem 10-Kilometer- und deinem Halbmarathontempo, der Puls grob bei 85 bis 90 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Eine Einheit pro Woche genügt den meisten Freizeitläufern.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Das Tempo fühlt sich anstrengend, aber beherrschbar an. Sprechen geht nur noch in kurzen Sätzen.
  • Einsteiger beginnen mit 15 bis 20 Minuten am Stück oder zwei bis drei kürzeren Blöcken.
  • Gleichmäßigkeit ist wichtiger als das letzte Quäntchen Geschwindigkeit.
  • Zwischen Schwelleneinheit, Intervallen und langem Lauf liegt jeweils mindestens ein lockerer Tag.

Was ist ein Tempodauerlauf?

Ein Tempodauerlauf ist eine kontinuierliche Belastung im oberen, aber noch stabilen Intensitätsbereich. Du läufst schneller als bei einem lockeren Dauerlauf, aber langsamer als bei Intervallen. Trainer sprechen auch von Schwellenlauf oder, nach dem englischen Begriff, vom Tempo Run.

Das Ziel ist nicht, dich auszupowern. Du sollst lernen, ein hohes Tempo über lange Zeit stabil zu halten. Am Ende der Einheit hast du das Gefühl, noch fünf bis zehn Minuten weiterlaufen zu können.

Abgrenzung zu Dauerlauf und Intervallen

Einheit Intensität Dauer der Belastung Hauptziel
Lockerer Dauerlauf Gesprächstempo 30 bis 90 min aerobe Grundlage
Tempodauerlauf zügig, an der Schwelle 20 bis 40 min Schwellentempo länger halten
Intervalle schnell bis sehr schnell 30 s bis 5 min pro Abschnitt Sauerstoffaufnahme und Tempohärte

Für wen eignet sich der Tempodauerlauf?

Sinnvoll wird die Einheit, sobald du mindestens drei Monate regelmäßig läufst und 45 Minuten locker am Stück schaffst. Vorher bringt dir jeder zusätzliche lockere Kilometer mehr. Wer gerade erst anfängt, legt die Basis mit dem Plan Laufen für Anfänger.

Besonders profitieren Läuferinnen und Läufer, die einen 10-Kilometer-Lauf, einen Halbmarathon oder einen Marathon planen. Auch wer einfach fitter werden will, ohne sich mit harten Intervallen zu quälen, findet im Tempodauerlauf einen wirksamen und gut dosierbaren Reiz.

Was passiert an der Laktatschwelle?

Mit steigendem Tempo produziert deine Muskulatur mehr Laktat. Bis zu einem gewissen Punkt kann der Körper es ebenso schnell verwerten, wie es entsteht, der Laktatspiegel bleibt stabil. Oberhalb dieser Laktatschwelle steigt er deutlich an, die Atmung wird schwer, und du musst das Tempo bald drosseln.

Training knapp unterhalb dieser Grenze kann sie nach oben verschieben. Du läufst dann dasselbe Tempo mit weniger Anstrengung oder hältst ein höheres Tempo länger durch. Davon profitierst du in jedem Wettkampf, der länger als etwa 20 Minuten dauert.

Wie wichtig dieser Bereich ist, zeigt der Blick auf die Weltspitze. Ein Übersichtsartikel von Haugen und Kollegen in Sports Medicine Open beschreibt, dass Weltklasse-Langstreckenläufer mindestens 80 Prozent ihres Umfangs locker laufen. Tempoläufe im mittleren Intensitätsbereich gehören dennoch fest zum Programm, vor allem bei Marathonläufern in der wettkampfspezifischen Phase.

Warum nicht ausschließlich an der Schwelle trainieren?

Schwellentraining ist wirksam, aber kein Allheilmittel. In einer Studie von Stöggl und Sperlich mit 48 gut trainierten Ausdauersportlern brachte reines Schwellentraining über neun Wochen weniger Fortschritt als ein polarisiertes Training aus viel lockerem Umfang und wenigen sehr harten Einheiten. Die Schwelleneinheit ist deshalb ein Baustein deines Trainings, nicht das ganze Fundament.

Tempodauerlauf auf einer langen Asphaltstraße: Läufer in schwarzen Shorts bei Tageslicht
Eine flache, ruhige Straße ohne Ampeln ist ideal für den gleichmäßigen Tempoabschnitt. Foto: Isaac Wendland / Unsplash

Wie schnell ist ein Tempodauerlauf?

Der häufigste Fehler beim Tempodauerlauf ist ein zu hohes Tempo. Die Einheit soll sich anstrengend, aber beherrschbar anfühlen. Nutze mehrere Maßstäbe parallel, denn jeder hat seine Schwächen.

Maßstab Richtwert
Körpergefühl etwa 7 von 10 auf einer Anstrengungsskala
Sprechtest nur noch kurze Sätze oder einzelne Wörter möglich
Wettkampfbezug das Tempo, das du rund eine Stunde halten könntest
Bestzeiten zwischen 10-Kilometer- und Halbmarathontempo
Herzfrequenz grob 85 bis 90 Prozent der maximalen Herzfrequenz

Beispielwerte nach 10-Kilometer-Bestzeit

Für die meisten Freizeitläufer liegt das Schwellentempo etwa 5 bis 15 Sekunden pro Kilometer langsamer als ihr aktuelles 10-Kilometer-Renntempo. Die folgenden Werte sind Richtwerte, keine starren Vorgaben:

10-km-Bestzeit 10-km-Tempo Schwellentempo
60:00 min 6:00 min/km 6:05 bis 6:15 min/km
55:00 min 5:30 min/km 5:35 bis 5:45 min/km
50:00 min 5:00 min/km 5:05 bis 5:15 min/km
45:00 min 4:30 min/km 4:35 bis 4:45 min/km
40:00 min 4:00 min/km 4:05 bis 4:12 min/km

Der Puls reagiert verzögert und schwankt mit Hitze, Schlaf und Tagesform. Verlass dich deshalb nie allein auf die Uhr. Wie du deine Zonen sauber bestimmst, erklärt unser Ratgeber zu den Pulsbereichen beim Laufen.

So baust du die Einheit richtig auf

Jede Einheit besteht aus drei Teilen. Plane insgesamt 50 bis 75 Minuten ein, je nach Länge des Tempoabschnitts.

  1. Einlaufen: 15 bis 20 Minuten locker, danach drei bis vier kurze Steigerungsläufe über 80 Meter.
  2. Tempoabschnitt: 20 bis 40 Minuten im Schwellentempo. Die ersten zwei Kilometer eher etwas zu ruhig als zu schnell.
  3. Auslaufen: 10 bis 15 Minuten sehr locker traben.

Wähle für den Tempoabschnitt eine flache, ruhige Strecke ohne Ampeln, zum Beispiel einen Radweg am Fluss oder eine vermessene Runde im Park. Kurze Unterbrechungen sind kein Drama, längere Stopps verändern aber den Reiz. Bei warmem Wetter nimmst du am besten etwas zu trinken mit. Warum bei langen, schweißtreibenden Einheiten auch Salze eine Rolle spielen, liest du im Beitrag zu Elektrolyten im Ausdauersport.

Bei Hitze, Wind und Hügeln

Äußere Bedingungen verändern dein Tempo, nicht aber die Anstrengung, die du anpeilst. Bei Gegenwind, Hitze über etwa 25 Grad oder welligem Gelände läufst du langsamer und orientierst dich stärker am Körpergefühl. Zwingst du dich trotzdem auf die gewohnte Pace, rutschst du schnell über die Schwelle. An heißen Tagen verlegst du die Einheit besser in die frühen Morgenstunden.

Vier Varianten für Abwechslung

Nicht jede Schwelleneinheit muss am Stück stattfinden. Diese Varianten setzen einen ähnlichen Reiz und bringen Abwechslung in deinen Plan.

1. Der klassische Tempodauerlauf

20 bis 40 Minuten durchgehend im Schwellentempo. Diese Form trainiert neben der Physiologie auch die mentale Härte, gleichmäßig unter leichtem Unbehagen zu laufen.

2. Schwellenintervalle

Du teilst den Tempoabschnitt in Blöcke auf, etwa 3 x 10 Minuten oder 4 x 2 Kilometer mit jeweils 1 bis 2 Minuten lockerem Traben. Diese Form fühlt sich leichter an und erlaubt etwas mehr Gesamtzeit an der Schwelle. Für Einsteiger ist sie der ideale Start.

3. Progressiver Dauerlauf

Du beginnst locker und steigerst das Tempo alle 10 Minuten, bis du im letzten Drittel das Schwellentempo erreichst. Ein Beispiel: 20 Minuten locker, 15 Minuten zügig, 10 Minuten an der Schwelle. Diese Variante eignet sich gut für die Marathonvorbereitung.

4. Tempowechsellauf

Hier wechselst du zwischen Schwellentempo und einem etwas ruhigeren, aber noch zügigen Tempo, etwa 5 Minuten schnell und 3 Minuten mittel. Die Erholung findet also im Laufen statt. Das ist anspruchsvoll und gehört eher zu Fortgeschrittenen.

Den Tempodauerlauf in den Wochenplan einbauen

Für die meisten Freizeitläufer reicht eine Schwelleneinheit pro Woche. Plane sie mit mindestens einem lockeren Tag Abstand zu Intervallen und zum langen Lauf. Wer bereits Erfahrung mit kurzen, schnellen Belastungen hat, findet Anregungen im Guide zum Intervalltraining beim Laufen. Beide Formen ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht.

So kannst du den Tempoabschnitt über acht Wochen steigern:

Woche Tempoabschnitt Hinweis
1 3 x 6 min, 2 min Trabpause Tempo kennenlernen
2 3 x 8 min, 2 min Trabpause gleiches Tempo, mehr Zeit
3 2 x 12 min, 2 min Trabpause längere Blöcke
4 20 min am Stück erster Block am Stück
5 3 x 10 min, 90 s Trabpause Entlastung im Gefühl
6 25 min am Stück gleichmäßig bleiben
7 2 x 15 min, 2 min Trabpause Umfang halten
8 30 min am Stück Zielform erreicht

Wenn du dich auf einen Wettkampf vorbereitest, passt du die Einheit an die Distanz an. Im Halbmarathon-Trainingsplan siehst du, wie Tempodauerläufe und lange Läufe über zwölf Wochen zusammenspielen.

So passt du die Einheit an dein Wettkampfziel an

  • 10 Kilometer: Kürzere Schwellenblöcke von 8 bis 12 Minuten, dafür etwas näher am Renntempo. Ergänze sie mit Intervallen.
  • Halbmarathon: Der klassische Tempodauerlauf über 25 bis 40 Minuten ist hier die Schlüsseleinheit.
  • Marathon: Längere, etwas ruhigere Abschnitte und progressive Läufe, die gegen Ende das Schwellentempo erreichen. Gelegentlich baust du Blöcke im Marathontempo in den langen Lauf ein.

Woran erkennst du Fortschritte?

Fortschritt zeigt sich selten von Woche zu Woche, sondern über einen Zeitraum von vier bis acht Wochen. Typische Zeichen sind ein niedrigerer Puls bei gleichem Tempo, ein ruhigerer Atem in der zweiten Hälfte oder ein etwas schnelleres Tempo bei gleichem Gefühl. Halte deine Einheiten deshalb kurz im Trainingstagebuch fest, mit Strecke, Tempo, Puls und Gefühl. So erkennst du Trends, die dir im Alltag entgehen würden.

Person läuft zügig über eine Stadtstraße, die Bewegungsunschärfe betont das Tempo
Zügig, aber kontrolliert: So fühlt sich das Schwellentempo an. Foto: eowynring / Unsplash

Typische Fehler beim Tempodauerlauf

Die meisten Fehler entstehen aus Ehrgeiz. Wer sie kennt, holt aus jeder Einheit deutlich mehr heraus.

  • Zu schnell: Aus der Einheit wird ein Wettkampf. Der Reiz verschiebt sich, und die Erholung dauert Tage.
  • Zu ungleichmäßig: Ein schneller Start mit Einbruch am Ende trainiert nicht die Schwelle, sondern nur das Durchhalten.
  • Zu oft: Zwei bis drei Schwelleneinheiten pro Woche überfordern die meisten Hobbyläufer.
  • Kein Einlaufen: Ohne Vorbereitung brauchst du die ersten Kilometer, um überhaupt in Tritt zu kommen.
  • Trotz Müdigkeit: Nach einer kurzen Nacht läufst du lieber locker und verschiebst die harte Einheit.

Erholung entscheidet darüber, ob der Reiz wirkt. Ausreichend Schlaf und lockere Tage gehören deshalb fest zum Plan. Bei anhaltenden Beschwerden in Sehnen oder Gelenken ist eine Pause sinnvoll, und ärztlicher Rat hilft, die Ursache zu klären.

Häufige Fragen zum Tempodauerlauf

Wie lange sollte ein Tempodauerlauf dauern?

Der eigentliche Tempoabschnitt dauert meist 20 bis 40 Minuten. Einsteiger beginnen mit 15 bis 20 Minuten oder teilen die Zeit in zwei bis drei Blöcke mit kurzen Trabpausen. Dazu kommen 15 bis 20 Minuten Einlaufen und 10 bis 15 Minuten Auslaufen, sodass die gesamte Einheit etwa 50 bis 75 Minuten dauert.

Wie schnell läuft man einen Tempodauerlauf?

Das Tempo liegt etwa zwischen deinem 10-Kilometer- und deinem Halbmarathontempo, also dort, wo du rund eine Stunde durchhalten könntest. Für viele Freizeitläufer sind das 5 bis 15 Sekunden pro Kilometer langsamer als das 10-Kilometer-Renntempo. Sprechen ist nur noch in kurzen Sätzen möglich, die Einheit bleibt aber kontrolliert.

Wie oft pro Woche sollte ich einen Tempodauerlauf machen?

Für die meisten Hobbyläufer genügt ein Tempodauerlauf pro Woche. Wer fünf- oder sechsmal läuft, kann zusätzlich eine Intervalleinheit einplanen. Wichtig ist, dass zwischen den harten Einheiten und dem langen Lauf jeweils mindestens ein lockerer Tag liegt, damit sich der Körper erholen und an den Reiz anpassen kann.

Was ist der Unterschied zwischen Tempodauerlauf und Intervalltraining?

Beim Tempodauerlauf läufst du ohne Pause oder mit sehr kurzen Pausen über 20 bis 40 Minuten an der Schwelle. Beim Intervalltraining läufst du schneller, dafür in kürzeren Abschnitten mit Trabpausen. Er trainiert, ein hohes Tempo lange zu halten, Intervalle verbessern vor allem die maximale Sauerstoffaufnahme und die Tempohärte.

Welcher Puls ist beim Tempodauerlauf richtig?

Als grobe Orientierung gelten etwa 85 bis 90 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Der Puls steigt jedoch verzögert an und wird von Hitze, Schlaf, Stress und Koffein beeinflusst. Nutze ihn deshalb als Kontrolle und steuere die Einheit vor allem über Tempo und Körpergefühl. Liegt der Puls ungewohnt hoch, nimm etwas Tempo heraus.

Titelbild: Andrea Leopardi / Unsplash

LH

Ressortleitung Laufen

Lena Hartmann

Lena Hartmann leitet das Ressort Laufen. Sie läuft seit über zehn Jahren, vom ersten Fünf-Kilometer-Lauf bis zum Marathon, und schreibt über Trainingspläne, Lauftechnik und die Vorbereitung auf Wettkämpfe. Ihr Anspruch: Pläne, die in einen normalen Alltag passen.

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